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Deutsch-französischer Verein Germering e.V.

Rückblick auf Reisen / Ausflüge des Jahres 2011

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Auf dieser Seite finden Sie den Volltext der Rückblicke auf Reisen und Ausflüge des Deutsch-französischen Vereins Germering im Jahr 2011. Ein Auswahlmenü dazu finden Sie unter Rückblick auf Reisen / Ausflüge.

Zu bereits durchgeführten lokalen Veranstaltungen (Tables rondes) siehe Rückblick auf Veranstaltungen.

Rückblicke 2011

2. September 2011

Rückblick auf unser gemütliches Beisammensein im

Biergarten_Freiham.jpg

Tagsüber war an diesem Freitag das Wetter nicht gerade einladend für einen Biergartenbesuch. Aber in der entscheidenden Stunde vor unserem Termin um 16:00 Uhr klarte das Wetter auf, so dass wir den Ausflug wagen konnten. Insgesamt fanden sich 18 Mitglieder ein, die sich auf zwei Tische verteilten. Es fanden viele nette Gespräche mit wechselnden Gesprächpartnern zu unterschiedlichen Themen bei Bier und Leberkäse statt. Die Stimmung war sehr gut, und viele würden sich über eine Wiederholung des Biergartenbesuches freuen.

Jürgen Stromeier

Fotos vom Besuch des Biergartens Freiham finden Sie in unserem Bildarchiv.

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9. Juni 2011

Chiemseefahrt mit Besuch der Bayerischen Landesausstellung 2011

Unser diesjähriger Vereinsausflug an den Chiemsee hatte als Schwerpunkt den Besuch der Bayerischen Landesausstellung auf der Insel Herrenchiemsee zum Thema König Ludwig II. von Bayern. Dieser Bayernkönig gehört zu den berühmtesten Gestalten der europäischen Geschichte und die ganze Welt bewundert seine Schlösser. 125 Jahre nach seinem Tod wird unter dem Titel "Götterdämmerung" ein Königsdrama in fünf Akten präsentiert.

Im ersten Akt: "Wie Ludwig König wurde" wird dargestellt, wie der junge Prinz nach dem plötzlichen Tod seines Vaters unvorbereitet mit 18 Jahren König werden musste. Für uns Frankreichfreunde ist es reizvoll, die Beziehungen des Bayernherrschers zu unseren französischen Nachbarn zu beleuchten. Französisch, immer noch eine Hofsprache, lernte der Kronprinz gern und gut von Lehrern, die in die Residenz kamen.

Es beginnt schon beim Namen. Ludwig sollte Otto heißen, das wäre für einen Wittelsbacher ein traditionsreicher Name gewesen. Dann bat der Großvater Ludwig I., dass das Kind Ludwig genannt wurde, weil es am Ludwigstag geboren wurde. Der Großvater hatte den Namen auf Befehl König Ludwig XVI. von Frankreich erhalten. Eigentlich sollte der Erstgeborene Karl heißen nach seinem Pfälzer Onkel. Doch Ludwig XVI., der die Patenschaft übernahm, bestimmte: "Il s' appellera Louis!" Der Enkel dieses Louis, Ludwig II., nannte sich mit Vorliebe "Louis de Bavière", verehrte Ludwig XVI., Ludwig XV. und vornehmlich Ludwig XIV., den Sonnenkönig. Die französischen Könige schätzte er mehr als die preußischen. Auf seine französische Verwandtschaft wäre er stolzer gewesen, wenn sie zu den Bourbonen und nicht zu den Bonapartes gehört hätte. Im Schlafzimmer Ludwigs II. in der Residenz in München stand das Himmelbett hinter einem Geländer, auf dessen Brüstung eine Büste Ludwigs XIV. stand. Daneben, auf einem Prunkkästchen, befand sich eine Büste der Königin Marie-Antoinette, der guillotinierten Gemahlin Ludwigs XVI. So hatte er beim Einschlafen wie beim Aufwachen Glanz und Elend des Königtums vor Augen, den Sonnenkönig und das Revolutionsopfer. Ludwig XIV. gleich zu sein war sein Traum. Ähnlich zu enden wie Marie-Antoinette wurde sein Albtraum.

Der zweite Akt des Königsdramas nennt sich: "Wie der König Krieg führen musste und einen Kaiser über sich gesetzt bekam". Ludwig II. wollte 1870/71 keinen Krieg, und schon gar nicht mit Frankreich. Das Land, dem Wittelsbach die Königskrone und Bayern seine Staatlichkeit verdankte, galt ihm als ein europäisches Vaterland. Er interessierte sich für französische Kunst und las französische Literatur, vornehmlich Geschichtswerke.

Napoleon I. respektierte er als Wohltäter seines Hauses und Mitschöpfer des bayerischen Staates, doch er schätzte ihn nicht. Der Korse war ein Usurpator, aus der Revolution von 1789 aufgetaucht, in der die wahre Monarchie untergegangen war. Ähnliches galt für Napoleon III., den neuen Kaiser der Franzosen, den Neffen, der seinem Onkel nachzueifern suchte, ohne dessen Format zu erreichen.

Auf der Pariser Weltausstellung, im Juli 1867, begegneten sich Napoleon III. und Ludwig II. Der König von Bayern, der inkognito unter dem Namen eines Grafen von Berg gekommen war, interessierte sich vor allem für einen musikalischen Wettbewerb, bei dem das Musikkorps des 1. Bayerischen Infanterie-Regiments mit militärischen Versionen Wagnerscher Kompositionen einen zweiten Preis errang. Ludwig II. hatte die Gelegenheit der Weltausstellung wahrgenommen, um Stätten seiner Vorstellung vom französischen Königtum zu sehen. Napoleon III. zeigte ihm jedoch nur solche, die mit der Geschichte der Bourbonen und der Bonapartes verknüpft waren, um durch die Kontinuität der Grande Nation die Legitimität des Volkskaisers zu demonstrieren. Der Wittelsbacher kam nach Compiègne, das an die Jagden Ludwigs XV. erinnerte. Der bayerische König kam auch zu den Tuilerien. Dort auf der Place du Carrousel steht der kleine Triumphbogen, auf dem Napoleons I. Siegesbericht des Jahres 1805 eingemeißelt war, in dem es unter anderem hieß: "Bayern wird befreit ... Der Sieger von Austerlitz erhebt seine Stimme, und es fällt das Deutsche Reich, der Rheinbund nimmt seinen Anfang, die Königreiche von Bayern und Württemberg sind geschaffen ..."

Er solle das damals Erreichte nicht dadurch gefährden, dass er sich zu tief mit den Preußen einlasse, warnt in Paris der Kaiser der Franzosen den König von Bayern. Als sie sich, wenige Wochen später, im August 1867 auf dem Augsburger Bahnhof wiedersahen und während einer gemeinsamen Bahnfahrt bis Rosenheim miteinander sprachen, dürfte der Kaiser den König daran erinnert haben. Napoleon III. fuhr nach Salzburg, um den Kaiser von Österreich für eine Abwehrfront gegen eine weitere Ausdehnung Preußens zu gewinnen. Den König von Bayern hätte er gerne als Dritten in diesem Bunde gesehen. Franz Joseph I. war jedoch nicht in der Lage, einen neuen Krieg zu riskieren und Ludwig II. besaß weder die Macht, noch die Kraft, sich Preußen und der deutschen Nationalbewegung zu widersetzen. Er konnte nur hoffen: "Vor Preußens Krallen wolle uns Gott bewahren!"

Bayern hatte einen militärischen Allianzvertrag mit Preußen, der weder rechtlich noch politisch aufgekündigt werden konnte, als im Juli 1870 ein Krieg zwischen Frankreich und Preußen drohte. Die Mobilmachung wurde am 14. Juli angeordnet. Zum Unterschreiben des Befehls brauchte man den König. Dieser war wie so oft, wenn es brenzlig wurde, in seine Berge geflüchtet. Man bedrängte den König, in seine Residenz nach Berg zurückzukehren, was er dann auch tat. Am 16. Juli kam mit dem Frühzug aus München um sechs Uhr morgens ein Ministerialsekretär mit den zu unterschreibenden Papieren nach Berg. Der König wurde geweckt. In seinem blauen Himmelbett liegend ließ er sich die Beschlüsse und Mitteilungen vortragen. Dann entstand eine längere Pause. Schließlich richtete sich Ludwig II. in den Kissen auf und befahl in einem französisch abgefassten Telegramm: "J'ordonne la mobilisation; informez en le Ministère de la guerre. Louis". Das war die Mobilmachung an der Seite Preußens, das er fürchtete, gegen Frankreich, das er schätzte. Im Krieg hatten sich die bayerischen Truppen den Respekt der preußischen Führung und die Achtung der französischen Gegner erkämpft. Wilhelm I. von Preußen und Bismarck hielten sich in Versailles auf. Die Königsstandarte des Hohenzollern wehte über den Bourbonenlilien und vor dem Schlosse Ludwigs XIV. exerzierten preußische Soldaten. Unter diesen Umständen wollte Ludwig das Schloss des Sonnenkönigs nicht sehen. Er musste deshalb eine Krankheit vorschützen, um die Frankreichreise abzusagen.

Erst 1874 besuchte Ludwig II. Versailles. Die französischen Führer stellten mit Erstaunen fest, dass der bayerische König Versailles mindestens ebenso gut wie sie, wenn nicht sogar besser kannte. An seinem 29. Geburtstag sprangen die "Großen Wasser" im Park für den König. Die Meinungen der Pariser Zeitungen waren geteilt. Die einen verwiesen darauf, dass Ludwig II. dem Frankreichfeldzug und der Kaiserproklamation ferngeblieben war und seine Soldaten, wie der "Figaro" schrieb, nur auf dem Piano begleitet hätte. Eine andere Zeitung rechnete ihren Lesern vor, dass die Wasserspiele die Staatskasse 50.000 Francs gekostet hätten. 1875 reiste Ludwig II. ein drittes Mal nach Frankreich. Er feierte in der Kathedrale in Reims seinen 30. Geburtstag und seinen Namenstag

Der dritte Akt der Landesausstellung nennt sich: "Wie der König seine Gegenwelten schuf". Bayern hatte seine Selbstständigkeit verloren und König Ludwig zog sich in seine Fantasiewelten zurück. Von der Realität enttäuscht, errichtete sich der Bayernkönig eine Gegenwelt. Im Theater begegnete er den von ihm verehrten historischen Gestalten. Seine Schlösser beschworen die Vergangenheit: Neuschwanstein verherrlichte das christliche Königtum des Mittelalters und das auf Herrenchiemsee errichtete Neu-Versailles war ein Tempel des Ruhmes für König Ludwig XIV. von Frankreich. Nach der Reichsgründung zog Ludwig II. sich immer mehr zurück. Nachts fuhr er aus, ging spazieren, las und schrieb. Im Mondlicht blühte seine Phantasie auf, der Mondkönig träumte davon, wie Ludwig XIV. von Frankreich ein Roi-soleil zu sein. "König Sonne", erklärte Ludwig II., sei sein Ideal, in Louis Quatorze liebe er "die Poesie des Königtums". Die Baulust schien Ludwig II. mit Ludwig XIV. gemeinsam gehabt zu haben, freilich nicht dessen Mittel und Augenmaß. Ludwig XIV. soll auf dem Sterbebett seinem Nachfolger geraten haben: "Mein Kind, folge bloß nicht meiner Neigung für das Bauen!" Als Hofsekretär Pfister diese Worte des französischen Ludwigs dem bayerischen Ludwig vorhielt, bekam er sein Papier, in kleine Fetzen zerrissen, in einem Kuvert zurück und wurde nie mehr in Audienz empfangen.

Der vierte Akt des Königsdramas: "Wie Ludwigs Königreich modern wurde" zeigt, wie Bayern im Deutschen Reich mit zukunftsweisenden Erfindungen, vor allem in Chemie und Elektrizität, zu den fortschrittlichsten Teilen des Reiches gehörte.

Im fünften Teil der Landesausstellung, "Wie Ludwig starb und zum Mythos wurde" wird gezeigt, wie das strahlende Bild des Monarchen überschattet wird von Gerüchten über Schulden und Geisteskrankheit. Die Absetzung schien der letzte Ausweg. Mit dem rätselhaften Tod des Königs im Starnberger See endet das Drama.

Zur Einstimmung auf die Landesaustellung hatten wir vor dem Besuch eine Führung in den Prunkräumen des Schlosses mit dem Paradeschlafzimmer und der Spiegelgalerie. An den Vorhängen des Prunkbettes beispielsweise arbeiteten 20 Stickerinnen sieben Jahre lang. Anschließend konnten wir im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift auf der Insel in schönen Räumen weitere Ausstellungen z.B. über den Verfassungskonvent oder die Maler am Chiemsee besichtigen.

Bevor wir uns auf die Fahrt zur Ratzingerhöhe über dem Chiemsee begaben, um den Tag bei einem gemütlichen Abendessen ausklingen zu lassen, gab es noch einen Zwischenaufenthalt auf der Fraueninsel. Hier gibt es auch interessante Bauwerke, romantische Fischerhäuser, geschmackvolles Kunstgewerbe und vielfältigen Blumenschmuck zu besichtigen.

Maximilian Kusma

Ergänzungen aus anderer Perspektive:

Für einen an der Technik Interessierten war es hochinteressant, den Stand der Technik zu Ludwigs II Zeiten anhand von Exponaten gezeigt zu bekommen. Man ist sich dessen nicht mehr bewusst, wie weit z.B. die Elektrotechnik und die Bahntechnik um 1880 bereits waren. Für manche Entwicklungen war Ludwig II sogar Auftraggeber.

Die gesamte Landesausstellung ist voll von so vielen Informationen aus der jüngeren Geschichte, die bis in die Gegenwart wirkt, dass sie an einem knappen Tag gar nicht erfasst werden kann. Man müsste sich noch 2 - 3 weitere Tage Zeit nehmen. Was hatte ich doch für einen traurigen Geschichts-Unterricht, der das 19. und 20. Jahrhundert ausblendete!

Für mich war die Ausstellung im Alten Schloß völlig unerwartet. Sie handelt von den ersten Nachkriegsjahren bis zur Gründung der zwei deutschen Staaten und bis zur Berliner Blockade.

Der Verfassungskonvent im August 1948 im Alten Schloß auf Herrenchiemsee führte zwar noch nicht zum fertigen Grundgesetz, war aber eine wesentliche Vorstufe. Nach weiteren Beratungen in Bonn wurde das Grundgesetz im Mai 1949 ratifiziert und trat am 23. Mai 1949 für die BRD in Kraft.

J. Stromeier

Fotos von der Chiemseefahrt finden Sie in unserem Bildarchiv.

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Häufige Fragen - Webmaster

Letzte Änderung: 04.11.11